Montag, 29 November 2021 – 11:59 Uhr

Krisenmomente in der Kindererziehung: Was tun bei Wutanfällen?

Was tun bei Wutanfällen?

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Die kinderlose Autorin erzog 42 Kinder, von denen sie einige adoptierte. Von Ella Eaton Kellogg (1853–1920)

Ein Kind, das mit unkontrolliertem Eigenwillen dem Säuglingsalter entwachsen ist, wirft sich bei der ersten Provokation in einem Wutanfall strampelnd und schreiend auf den Boden. Was tun?

Bestrafen wir es? – Das hieße Öl ins Feuer gießen.

Reden wir vernünftig mit ihm? – Ebenso könnte man versuchen, einen Lava speienden Vulkan mit Logik zu überzeugen.

Versuchen wir, das Kind mit freundlichen Worten und Zärtlichkeiten zu beruhigen? – Da könnte man auch einem Wirbelsturm auf den Rücken klopfen und ihm gut zureden.

Ruhe und Reue

Nein, ich wage zu behaupten: Das Einzige, was man in diesem Moment tun kann, ist: aus dem Zimmer gehen und das Kind allein lassen.

Und was tun, wenn der Ausbruch vorüber ist? – Man gehe wenn möglich der Ursache auf den Grund. Falls wir selbst die Ursache sind, dann gilt es, schmerzlich zu bereuen, und mit großem Einsatz die Geister auszutreiben, die wir selbst gerufen haben.

Ablenken und kreativ sein

Zuallererst – und das ist keine Schwäche, sondern gesunder Menschenverstand – sollte man weder mit dem Kind streiten noch es provozieren. Fessele seine Aufmerksamkeit mit anderen Dingen. Versuche das erwünschte Ergebnis auf anderem Weg zu erreichen, gib Wutausbrüchen wenn möglich keinen Raum. Jeder zerbrochene Stein einer Mauer gefährdet ihre Schutzfunktion!

Keine Provokationen, keine Strafen im Zorn

Reize das Kind nicht mit grundlosen Verboten. Sprich langsam und ruhig, und begegne Zorn wenn irgend möglich nie mit Zorn. Strafst du im Ärger, ist es für das Kind offensichtlich, dass es, weil klein und schwach, für den gleichen Fehler bestraft wird, den wir, weil groß und stark, ungestraft begehen können.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Tadele und ermahne nicht gleich nach dem Wutausbruch, wenn das Kind noch unruhig ist. Der Dämon fiel wie ein Wirbelsturm auf die Wasseroberfläche seines Geistes. Erst wenn das Tosen der Wellen gestillt ist, kann der Geist wieder auf die Vernunft hören. Wenn nach dem Sturm dann die Sonne herauskommt, ist es an der Zeit, die Wrackteile zu begutachten und Maßnahmen für die zukünftige Sicherheit zu ergreifen. Wählt dann einige stille, glückliche Stunden, in denen ihr sanft vor der hartnäckigen Sünde warnen könnt, und lehrt, wie man sich vor ihr hütet.

Enttäuschungen, wenn möglich, vermeiden

Das Kind braucht auf seinem ganzen Lebensweg die Wachsamkeit der Mutter. Es gilt, im Voraus zu spüren, wo Provokationen Unbeherrschtheit auslösen könnten. Dann kann man rechtzeitig versuchen, das Kind vom Bösen abzulenken. Man sollte sich auch bemühen, es nicht unnötig in Situationen zu bringen, wo es versucht ist, die Fassung zu verlieren. Ich denke, nur wenige Eltern erkennen, wie häufig sie das Kind durch ihre eigene Gedankenlosigkeit und Unwissenheit in Versuchung bringen. Wie oft durchkreuzt man täglich die unschuldigen Pläne eines Kindes, nur um der eigenen Bequemlichkeit willen. Wie oft verweigert man ihm einige einfache Freuden, allein weil es uns zu viel Umstände macht.

Helen Hunt Jackson sagt: »Die meisten Menschen wären erstaunt, wenn sie hören, dass einfache Menschlichkeit es gebietet, nur unter zwei Bedingungen den Wunsch eines Kindes, sei es auch noch so klein, zu verweigern. Erstens wenn der Schmerz, den ein Nein für das Kind bedeuten würde, für sein körperliches oder moralisches Wohlergehen notwendig ist. Zweitens wenn Umstände, die die Eltern nicht beeinflussen können, dies tatsächlich erfordern.

Aber sich aus Bequemlichkeit damit herausreden, dass das Kind durch den Schmerz der Enttäuschung Selbstbeherrschung lernen müsse, ist wenig hilfreich. ›Es ist das Beste für die Kinder, wenn sie schon in ihrer Kindheit lernen, ihr Päckchen zu tragen.‹ ›Je eher sie lernen, dass sie nicht ihren eigenen Willen durchsetzen können, desto besser.‹ ›Es ist gut für sie, Selbstverleugnung zu üben.‹ All das sind selbstsüchtige Ausreden. Das Päckchen, das sie tragen müssen, ist schon schwer genug, auch wenn wir es ihnen versuchen so leicht wie möglich zu machen. Es gibt genug Gelegenheiten, dies sehr früh zu lernen, nämlich immer dann, wenn sie aus guten und hinreichenden Gründen ihren Willen nicht durchsetzen können.

Geduld

Erziehung zur Selbstbeherrschung würden Kinder am besten lernen, wenn Männer und Frauen in ihren eigenen Alltagskrisen nur ein Prozent so nachsichtig und geduldig wären, wie es die meisten Kinder gegenüber der üblichen Behandlung durch ihre Eltern sind. Dann wäre die Welt viel angenehmer.«

Gekürzt und sprachlich bearbeitet aus: ELLA EATON KELLOGG (Frau von Dr. John Harvey Kellogg), Studien zur Charakterbildung (Erstveröffentlichung in Englisch 1905), Seite 97-101. Buch erhältlich über NewStartCenter oder direkt bei


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