• Von den Chancen und Herausforderungen des Homeschooling: Unser Klassenzimmer ist daheim

    Unser Klassenzimmer ist daheim

    Adobe Stock - Fabio Principe

    Tipps für Lockdown- oder Gegen-den-Strom-Zeiten. Von Eva Paul

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Montag, 10 Mai 2021 – 10:29 Uhr

Von den Chancen und Herausforderungen des Homeschooling: Unser Klassenzimmer ist daheim

Unser Klassenzimmer ist daheim

Adobe Stock - Fabio Principe

Tipps für Lockdown- oder Gegen-den-Strom-Zeiten. Von Eva Paul

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»Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.« (1. Korinther 14, 33)

Dieser Vers wurde für mich zu einem Leitfaden und half mir in einer neuen, ungewohnten und manchmal sehr schwierigen Zeit. Doch der Reihe nach…

Momentan durchleben wir alle sehr unbeständige und ungewisse Zeiten. Die aktuelle Lage lässt uns nicht einmal mehr die Möglichkeit, zuverlässig Reisepläne, Urlaubspläne, Stundenpläne, Wochenpläne … zu machen. Einige Schulklassen dürfen wieder in den Präsenzunterricht, aber es ist zu befürchten, dass in den nächsten Zeiten immer wieder neue Lockdowns folgen werden. Deshalb möchte ich hier einige Gedanken zum Thema Homeschooling äußern, denn es wird uns vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen.

Vielleicht helfen diese Gedanken der einen oder anderen Familie. Gott hat sie mir vor langer Zeit aufs Herz gelegt, doch musste ich sie und ihren Wert erst entdecken, gegen den Widerstand meines eigenen Herzens. Denn ich hatte keineswegs Lust darauf, mein Leben so zu verändern…

Mit Lernen und Schule haben wir als Familie mittlerweile sehr viel erlebt, und ich möchte in diesen schweren, ungewissen Corona-Zeiten gerne Mut machen und unsere Erfahrungen teilen. Viele Eltern verzagen, sehnen das Ende des Lockdowns herbei und haben das Gefühl:»Ich kann nicht mehr! Wenn unsere Kinder nur endlich wieder zur Schule gehen!«

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurde bereits nach wenigen Wochen ein Spruch geprägt und durch die sozialen Medien verbreitet: »Im Homeschooling merken viele Eltern: Es lag nicht an den Lehrern!«

Für einen Großteil der Eltern und Familien begann mit dem ersten Lockdown ein Schreckgespenst namens »Homeschooling« und man hörte viele Klagen. Kein Wunder, hierzulande wird man ja vom Staat mit der neuen Situation völlig allein gelassen. Das Reichsschulpflichtgesetz von 1938 brachte die reichseinheitliche Schulpflicht. Seither wurde der Heimunterricht in Deutschland verteufelt, verboten und strafrechtlich verfolgt, und sogar noch vor wenigen Jahren bekräftigte unsere Bundeskanzlerin, dass es zur Vermeidung von Parallelgesellschaften unerlässlich sei, die Schulpflicht aufrechtzuerhalten. Bis vor kurzem stellte die Schulpflicht, abgesehen vom Strafvollzug, den intensivsten staatlichen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Bürger dar. Doch dann, im März 2020, wurde plötzlich alles anders: Eltern sollten »quasi über Nacht« alle Kompetenzen aufweisen, um ihre Kinder erfolgreich durch Homeschooling hindurch zu manövrieren. Und wenige Monate später wurde gar das Gesetz der Schulpflicht außer Kraft gesetzt und endlich erlaubt nun auch Deutschland, diesbezüglich Schlusslicht in Europa, dass Kinder zu Hause beschult werden dürfen. Und dabei ist Heimschule die älteste Bildungsform der Welt!

Doch die meisten Familien tun sich mit der neuen Schulfreiheit und den ungewohnten Verantwortungen sehr schwer. Die zwei großen Lockdowns hat die Mehrzahl der Schüler schulisch weit zurückgeworfen. Lehrer beklagen den katastrophalen Leistungsabfall, das Desinteresse der Schüler und die Ohnmacht der Eltern. Und es scheint sonnenklar klar zu sein, dass Videokonferenzen und Hochladen von Materialien auf Dauer Präsenzunterricht nicht ersetzen können, ohne dass die Qualität leidet. Oder?

Aber ist das tatsächlich so? Schneidet Homeschooling zwangsläufig qualitativ schlechter ab als Präsenzunterricht? Und wenn ja, wie kommt es dann, dass es Familien gibt, die bereits Jahre vor der Pandemie sehr erfolgreich ihre Kinder im Homeschooling unterrichtet haben, gegen alle Widerstände von Seiten unserer Gesetzgebung? Einige Familienväter nahmen Bußgeldbescheide, sogar Gefängnisstrafen auf sich, nur um ihre Kinder zu Hause lernen zu lassen. Unzählige Familien in Deutschland kämpften seit Jahrzehnten dafür, denn sie waren von den Vorteilen des Homeschooling überzeugt. Aber – gibt es überhaupt messbare Vorteile beim Homeschooling? Es lässt zumindest aufhorchen, dass Studien zufolge Homeschool-Kinder größere soziale Kompetenzen aufweisen und durchschnittlich bessere Schulabschlüsse machen. »Eine von Smedley (1992) durchgeführte Studie…ergab, dass die Home Education Kinder… ungefähr 15% über den Werten der Schulkinder und im obersten Quartil der landesweiten Tests lagen.«1 »Sie sind sozial reifer, haben höhere Führungsqualitäten, niedrigere Raten bezgl. Problemverhalten …«2

Als unsere Kinder noch klein waren, faszinierte das Thema Homeschooling auch mich. Ich kannte ja bereits den Schulbetrieb als Lehrerin und hatte das Gefühl, mal etwas Neues ausprobieren zu wollen. Das war bereits viele Jahre vor der Pandemie. Gemeinsam mit meinem Mann lasen wir alles, was es zum Thema gab und sprachen mit Familien, die Heimschule machten. Die Berichte klangen überzeugend und die Kinder dieser Familien waren es auch. Interessiert, gut gebildet und selbstbewusst waren sie. Keine Spur von Null-Bock-Mentalität.

2010, nach einigen Jahren der Recherche und des Überlegens, beschlossen wir, unsere Kinder auch eine Zeitlang zu Hause zu beschulen. Wir waren keineswegs sicher, dass dieses Experiment glücken würde, und wir hatten anfänglich auch recht gemischte Gefühle. Aber wir waren entschlossen, das Wagnis einzugehen, zogen nach Frankreich und ein unglaubliches Abenteuer begann. Aus einem Jahr wurden zwei, drei, vier … sechs Jahre! Wir nutzten die neue Freiheit, um viel zu reisen (insgesamt ein Jahr lang) und hatten die Fernschule (ils, Hamburg) immer mit im Gepäck. Sie belieferte uns mit allen Materialien, und unsere Kinder hatten, ganz so wie im jetzigen Lockdown, ihre jeweiligen Fachlehrer, die sie per Post, per E-Mail und Telefon betreuten. Als wir in den USA und in Australien waren, besuchten unsere Kinder auch einige Monate Highschools, aber das wesentliche Lernen fand zu Hause statt. Sie hatten sehr viele Kontakte durch Pfadfinder, Reiten, Schwimmverein, Musikschule … Doch eine Frage kam regelmäßig, und leider mussten sich damals Homeschooler diese Frage immer wieder anhören: »Wie können eure Kinder soziale Kompetenzen erwerben, wenn sie nicht zur Schule gehen?« Als habe die Institution Schule das Monopol zum Erwerb sozialer Kompetenzen. (Und wer fragt heute in der Dauerwelle der Lockdowns nach den sozialen Kompetenzen?)

2016 schulten wir sie dann in einem Freiburger G8-Gymnasium ein und waren sehr gespannt … Ich machte mir Gedanken, wie sie mit dem Lernstoff und dem neuen sozialen Umfeld zurechtkommen würden. Unser Sohn, damals 16, stieg gleich in die Kursstufe 1 ein (Klasse 11), und unsere Tochter(14) in die 9. Klasse. Parallel begann unser Sohn als Jungstudent zu studieren, und legte dann 2018 sein Abitur ab. 2020 machte auch unsere Tochter ihren Abschluss. Beide Kinder hatten es geschafft, mit 18 ihre Abis in der Tasche zu haben, noch dazu mit sehr guten Ergebnissen und Preisen… und das nach 6 Jahren Schulausstieg. Wir waren erleichtert und dankbar. Unsere leisen Sorgen waren völlig unbegründet gewesen, auch bezüglich ihrer »sozialen Kompetenzen«. Sie hatten schnell gute Freunde gefunden und fielen auch den Lehrern positiv auf, was zu der Bemerkung eines Lehrers führte: »Ich wünschte, wir hätten noch mehr solcher Schüler.« Ganz offensichtlich war der Heimunterricht für ihre Entwicklung nicht nachteilig gewesen. Wir erlebten diese gemeinsamen Jahre als ein großes Geschenk, für das wir immer noch unendlich dankbar sind, denn neulich sagte unser Sohn, mittlerweile 21: »Heimschule war die beste Zeit meines Lebens.« Gott hat unsere Anstrengungen überreich gesegnet.

Unsere Kinder sind keine besonderen Kinder und auch keine Ausnahmetalente, aber wir glauben, dass u.a. im Lernen zu Hause das Geheimnis ihres schulischen Erfolges lag. Wenn Homeschooling richtig erfolgt, kann es ein sehr großer Segen für die Entwicklung der Kinder bedeuten. Es bietet sogar die Chance, dass Kinder zu besseren Schülern werden als vorher in der Schule, und dass sie weit mehr und vertiefter lernen. Im Idealfall …

Wenn es allerdings so ist, dass Kinder auf sich allein gestellt bleiben und selber schauen müssen, wie sie mit dem Schulstoff klarkommen, dann kann Homeschooling eine ziemliche Katastrophe werden.

Wir als Eltern waren bereit, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Kinder in ihren Fähigkeiten zu fördern und eine optimale Lernumgebung für sie zu schaffen. Wir konnten viel mehr für sie tun, als sie nur aufzufordern, ihre Hausaufgaben zu machen! Und genau darin liegen das Geheimnis und die Chancen von Homeschooling. Eltern sind wichtig und unersetzlich, und kein noch so engagierte/r Lehrer/in, kein noch so gutes Material, keine noch so spannende und gute BBB-Konferenz reicht aus, um den Input von Eltern zu ersetzen. Wenn Eltern dazu bereit sind …

»Die Erziehung zu Hause sollte nicht als zweitrangig betrachtet werden. Sie ist die beste Grundlage jeder guten Ausbildung.«3
»Das Heim kann eine Schule sein, wo die Kinder tatsächlich in ihrem Charakter wie ein Palast gestaltet werden …«4

Was für uns als Familie zutreffend ist, muss nicht für alle Familien gelten, aber wir haben sehr positive Erfahrungen mit einigen Strategien gemacht, die ich gerne weitergeben möchte. Vielleicht sind sie hilfreich. Dabei haben mir die Bücher von Ellen White sehr geholfen.

Als Wichtigstes möchte ich Mut machen, die Vorteile und Chancen im gemeinsamen Lernen zu Hause zu sehen. Natürlich erfordert gutes Homeschooling ein radikales Umdenken und Umstrukturieren innerhalb des Familienlebens und es ist verständlich, dass das vielen Eltern schwerfällt. Aber damit im Lockdown »Kinder« zu Hause zu »Schülern« werden können (und nicht nur zu einem »Hausaufgaben-machenden-Kind«), müssen Eltern einen ganz anderen häuslichen Rahmen schaffen, das gesamte Familienleben auf neue Art organisieren und zusammenhalten. Heimschule kann und wird nur mit der tatkräftigen Unterstützung der Eltern gelingen, denn Schüler unter 14–15 Jahren können sich noch nicht allein eine lernoptimale Umgebung erschaffen. Vielleicht konnten sie es vor 50–100 Jahren, als es noch nicht so viele Ablenkungen gab, wer weiß? Mit älteren Kindern kann man über Umgebung und Lernstrukturen sprechen, oder sie selbst mit in die Verantwortung setzen, ihre Umgebung optimal zu gestalten.

Aber ist eine vorbereitete, lernorientierte Umgebung wirklich nötig?

Absolut!! Und es leuchtet ein, dass an einem unaufgeräumten Küchentisch, in einem unorganisierten Alltag, möglicherweise zu ständig wechselnden Zeiten, vielleicht noch mit leerem Magen und alleine vor sich hin träumend, mit einem verführerischen Handy oder Tablet in Sichtweite –langfristig kein Schüler gute Leistungen bringen kann.

Wir Menschen brauchen einen zeitlichen Rahmen, räumlich klare Strukturen und Routineabläufe, gesundes Essen, viel Bewegung, und seelischen Beistand (wann immer nötig), damit unser Gehirn optimal arbeiten kann. Nirgendwo konnte ich den obigen Vers so gut verstehen und erleben, wie im Homeschooling: »Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung …« So funktionieren auch wir: Unordnung in jeglicher Form schadet uns! Es gibt einen großen Durcheinanderbringer (»Diabolos«), der überall Strukturen und Ordnungen zerstören möchte, in unserem Tagesablauf, in unseren Häusern und Zimmern, in unseren sozialen, familiären Geflechten … aber mit Gottes Hilfe sollen und können wir als Eltern es schaffen, die Ordnung des »Friedens« herzustellen. »Als Erzieher und Lehrer eurer Kinder gehört es zu euren Aufgaben, jedes Detail des häuslichen Lebens ordentlich und sorgfältig auszuführen.«5

Mittlerweile sind Sie als Eltern bestimmt schon selbst Experten auf dem Gebiet des Homeschooling, aber trotzdem hier ein paar Erfahrungen, wie das bei uns praktisch ausgesehen hat … und wie Lernen zu Hause garantiert gut gelingt:

  1. Früh aufstehen(mind. 90 Min. vor Lernbeginn)! Gut frühstücken, Andacht, nach draußen gehen, sich bewegen, einem Hobby nachgehen (keine digitalen Medien), spielen, Spaß haben … (australische Kinder beginnen um 9:00 h mit der Schule, stehen aber in der Regel um 5:00/6:00 h auf, um Sport zu machen, zu surfen, sich am Strand zu treffen …) An Schultagen gibt es kein Ausschlafen!

  2. Struktur im Tagesablauf. Festgelegte Zeiten für Mahlzeiten, Schule, Pausen. Unbedingt gemeinsam mit dem Kind und gemäß dem Stundenplan eine Routine festlegen! Entlastet die Eltern enorm und macht dem Schüler (irgendwann) Spaß, sich an seinen/ihren Plan zu halten (selbstbestimmtes Lernen). Zu spät zu den Videokonferenzen zu erscheinen, ist nicht nur das Versäumnis der Schüler, sondern auch der Eltern. Auch wenn sie nicht zu Hause sind, können Eltern durch Gespräche, Zielvorgaben und unter Umständen durch Kontrollanrufe dafür sorgen, dass ihre Kinder Pünktlichkeit lernen. Es kann und darf nicht von der jeweiligen Tageslaune abhängen, ob die Schüler pünktlich sind, denn das Leben verzeiht ihnen so eine Haltung später nicht.

  3. Ordentliche, übersichtliche Lernumgebung schaffen. In einem unordentlichen Zimmer, auf einem vollgestellten Schreibtisch, lässt sich nur sehr schwer strukturiert und zielgerichtet lernen. Hier wirkt das Außen nach Innen und ein aufgeräumtes Zimmer sorgt für einen aufgeräumten Kopf. Räumen Sie regelmäßig gemeinsam mit ihren Kindern auf, so lernen Sie den Wert und die Schönheit einer gut strukturierten Umgebung kennen und schätzen. »Unsaubere, vernachlässigte Schmutzecken im Haus führen zu derselben Situation in der Seele.«6

  4. Wenn Kinder sich in ihrem Zimmer alleine fühlen, sollten sie in den Gemeinschaftsräumen lernen dürfen. Auch Küchen- und Esstische eignen sich hervorragend um Schule zu machen, solange sie sauber und frei sind und die Schüler nicht ständig durch das Familienleben, Telefonanrufe, Besucher, Radio etc. gestört werden. (Übrigens, einer der größten Lärmbelästigungen [Lärmsmog] innerhalb der Familie ist ein ständig dudelndes Radio oder Fernseher. Nichts zerstreut gute Gedanken so sehr und macht unfähig, sich zu konzentrieren!) Unsere Kinder haben es geliebt, am Küchentisch zu lernen, und wir haben darauf Rücksicht genommen. Geschadet hat es niemandem …

  5. Die Lernzeit der Kinder respektieren. Das bedeutet, dass Eltern der Versuchung widerstehen, die Lernzeiten der Kinder als Nebenschauplatz zu betrachten, der sich irgendwie, irgendwann in den restlichen Tag einfügen muss. Wir unterbrechen nicht die Schulstunden, um mit den Kindern shoppen zu gehen oder andere Aktivitäten zu planen, Besucher zu empfangen, attraktive Ablenkungen, Serien zu gucken etc. Wir als Eltern planen alles, um die Schulstunden herum und nicht umgekehrt! Die Schulzeiten sind sozusagen »wichtigste Zeit« und haben für ALLE absolute Priorität. Es sollte ein geschützter Raum und Rahmen sein, in dem gelernt werden darf und wo nichts anderes stattfindet. Bedenken Sie: Erfolgreiches Homeschooling ist nicht Sache der Schüler allein, sondern der ganzen Familie!

  6. Pausen auf keinen Fall digital im Netz verbringen. Die Informationsflut aus dem Internet verhindert effizientes Lernen noch Stunden nach dem Surfen. Stattdessen lieber draußen sein.

  7. Haushaltsarbeiten erledigen. Häusliche Aufgaben sind für die psychische Entwicklung sehr wichtig. Der junge Mensch erwirbt ein Kompetenzgefühl und es tut der Seele gut. Ein Kind, das keine Hausarbeiten bekommt, wird einer lebenswichtigen Erfahrung beraubt, nämlich dass es nützlich ist und dass seine Arbeit einen Wert hat.

  8. Tischgespräche. Immer wieder bieten sich bei den gemeinsamen Mahlzeiten Gelegenheiten, um über das Gelernte zu sprechen. Eltern sollten sich sehr für die Lerninhalte ihrer Schulkinder interessieren und sich mit ihnen darüber unterhalten. Ich habe von der ersten Klasse bis zum Abitur unserer Kinder stets alle Lektüren gelesen, die meine Kinder lesen mussten, und wir haben oft darüber bei Tisch diskutiert. Mein Mann hat die naturwissenschaftlichen Fächer abgedeckt und sich mit ihnen darüber ausgetauscht. Es ist wirklich sehr hilfreich, den Lernstoff der Kinder zu kennen! Sie werden eine ganz andere Diskussions- und Wissensbasis in den Unterricht mitbringen, wenn die Familie (auch Geschwister) das Thema bereits zu Hause durchgekaut hat.

  9. Ausflüge. Die Wochenenden nutzen, um mit den Kindern etwas zu erleben. Dabei wird viel Neues gesehen und der Horizont enorm erweitert.

  10. Abends früh ins Bett. Unter der Woche bis spät Filme gucken oder am Handy spielen, verhindert gute Laune und gutes Lernen. Kontrollieren Sie unbedingt den Handykonsum ihres Kindes (auch der jungen Heranwachsenden!), zumindest bis es 16–17 Jahre alt ist. Vielleicht sind wir etwas extrem, aber unsere Kinder haben ihre ersten Handys mit 16 Jahren bekommen, und es hat ihnen nirgendwo zum Nachteil gereicht, ganz im Gegenteil. Bis sie erwachsen waren, haben sie ihre Handys allabendlich (so wie wir Eltern auch) zu einer gewissen Uhrzeit ausgeschaltet und im Wohnzimmer gelassen.

  11. Beten Sie für Ihre Kinder! Beten Sie mit ihren Kindern! Sie wissen ja, Erziehung ist Kniearbeit.

    Hmm … denken Sie jetzt vielleicht … und wie setze ich das durch?

Unsere Kinder haben auch nicht immer »Hurra!« geschrien, als wir diese Strukturen entwickelt haben. Aber wir haben ihnen erklärt, dass Schule ihr Job ist und dass wir sie so gut es geht, darin unterstützen möchten. Wir Eltern haben auch unsere Jobs, die wir erledigen müssen, und genauso ernst müssen sie ihre Schule nehmen. Es gibt Bedingungen, wie Lernen wunderbar und einwandfrei funktioniert (natürlich jedes Kind in seinem Tempo und mit unterschiedlichen Begabungen). Wir haben ihnen erklärt, dass wir bereit sind, diese Bedingungen von uns aus zu erfüllen, dass sie aber ihren Teil auch erfüllen müssen, damit es funktionieren kann.

Es war nicht immer ein Spaziergang und wir haben enorme Opfer dafür bringen müssen, sowohl finanzieller Art als auch in persönlicher und beruflicher Hinsicht. Ich hatte vor unserer Heimschulzeit eine Lehrstelle an einer Schule, die ich aufgab. Auch meine Engagements als Konzertpianistin schraubte ich massiv zurück, um Zeit für die Heimschule zu haben. Mein Mann blieb in seiner Arbeitsstelle, damit wir eine finanzielle Basis hatten. So konnten wir uns aber jeweils nur an den Wochenenden sehen oder an den Tagen, wo er Urlaub hatte oder Homeoffice machte. Es war nicht leicht, denn meistens führte ich die Heimschule praktisch alleine mit den Kindern durch. Ich hatte einen täglichen Arbeitstag von 14–16 Stunden, denn außer der Lernbetreuung der Kinder (wir hatten noch ein Pflegekind, das Schulanfänger war), musste ich den Haushalt und das Leben auf dem Land, besser gesagt in der Wildnis, mit Tieren, Umbau und Renovierung stemmen. Dabei halfen mir die Kinder sehr viel, denn es ging mir gesundheitlich nicht immer gut. Mein altes Leiden, eine sehr schmerzhafte Kopfneuralgie, plagte mich sehr, außerdem hatte ich nach einem Sturz eine unbewegliche Schulter (»frozen shoulder«) für ca. 9 Monate und ich musste mich zwei Augen-OPs unterziehen. Manchmal war ich so fertig, dass ich nur noch weinte, zum Beispiel wenn die Handwerker uns zum x-ten Mal im Stich ließen und wir nach 6 Monaten immer noch kein Telefon hatten, oder als unsere Hirsche aus dem Gehege ausgebüchst waren, oder unser jüngstes Kind vergaß, den Wasserhahn zuzudrehen und die Küche samt dem kostbaren Feuerholz unter Wasser setzte … Doch durfte ich immer erleben, dass Gott von irgendwoher einen Trost und Frieden sandte.

Abends, wenn die Kinder schliefen, begann mein eigentlicher Job als freiberufliche Schriftstellerin. Oft schrieb ich bis Mitternacht, um fertig zu werden. Oder ich ging den Lernstoff der Kinder durch. Ich widmete ihnen und dieser Heimschulzeit gerne auch meine persönliche Freizeit, weil ich wusste, wie kostbar und kurz sie sein würde. Und es machte einen Riesenspaß und gab mir vielmehr, als jeder Film oder jede Serie mir hätten geben können. Gott schenkte mir jeden Tag aufs Neue Freude ins Herz und den Frieden, den ich brauchte, wenn es mal nicht so gut lief.

Und tatsächlich, die Zeit ist so schnell verflogen, dass wir uns alle danach zurücksehnen! Jetzt sind sie erwachsen und alles scheint nur noch wie ein wunderschöner, aber viel zu kurzer Traum! Ich bereue keinen einzigen Tag und keine Stunde, in der ich mir Zeit für meine Kinder und ihre Schule genommen habe.

Auch wenn Sie und Ihre Familien das nicht mit einem solchen Rückzug in die Wildnis verknüpfen, haben sie trotzdem die Möglichkeit, die Lockdown-Zeiten zu einem unvergesslich schönen und sinnvollen Lernen zu Hause werden zu lassen. Ihre erwachsenen Kinder werden es Ihnen später danken! Garantiert.

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1 Home Education in Deutschland, Hintergründe – Praxis – Entwicklung, Dr. Thomas Spiegler, VS Verlag, 2008, S. 140
2 Medley 2000:119
3 Wie führe ich mein Kind, E. G. White, S. 10
4 ebd, S. 11
5 ebd. S. 61
6 ebd. S. 63


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