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    Warum wir einander brauchen

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    Ein buntes Netzwerk von Segensdiensten. Von Ellen White

Freitag, 26 April 2019 – 09:02 Uhr

Der Untergang der Titanic: Wiege ich mich in falscher Sicherheit?

Wiege ich mich in falscher Sicherheit?

Bild: Michael Rosskothen - shutterstock.com

Gibt es eine christliche Lehre, die genauso viel Erfolg und Rettung verspricht, wie die Titanic? Können wir uns unsere Lebensroute genauso frei auswählen wie der Kapitän dieses unsinkbaren Schiffes? Von Leola Rosenvold

Die Titanic, ein fantastisches, neues, britisches Passagierschiff, war der Stolz Englands. Viele wollten dabei sein bei der Jungfernfahrt des größten, stärksten und luxuriösesten Schiffes, das je die Meere durchkreuzt hatte.

Eines seiner herausragendsten Eigenschaften war, dass die Titanic das Gefühl völliger Sicherheit vermittelte. Der Schiffsrumpf war doppelwandig und in sechzehn wasserdichte Kammern unterteilt. Selbst wenn vier dieser Kammern geflutet würden, bestand keine Gefahr zu sinken.

Erfreulicherweise konnten 2224 Passagiere und Besatzungsmitglieder an der Jungfernfahrt von England nach New York teilnehmen – Luxus auf allen Ebenen. Während das Schiff über das Meer glitt, wurde alles dafür getan, dem Appetit der Passagiere mit den köstlichsten Speisen gerecht zu werden. Musik und Tanz sorgten für die notwendige Unterhaltung, jeder war zufrieden; alle wiegten sich in vollkommener Sicherheit, sie dachten: »Das Schiff ist unsinkbar.«

Man hatte die Schiffsoffiziere darauf hingewiesen, vorsichtshalber die Südroute zu wählen, denn im Norden kreuzten Eisberge die See. Doch der Kapitän, der völlig sicher war, dass sein Schiff unsinkbar war, wählte die kürzere Nordatlantik-Route.

Böses Erwachen

Es geschah kurz vor Mitternacht. Eine Jazzband spielte gerade die Popmusik der damaligen Zeit, und die Passagiere tanzten dazu. Plötzlich wurden sie unsanft aus ihrer Ruhe gerissen. Tanzen und Lachen verstummten jäh. Sofort wechselte die Band das Lied und spielte: »Näher mein Gott zu dir«. Was war geschehen?

Etwa 150 km vor der Küste Neufundlands hatte das Schiff einen Eisberg gestreift, der ein 9 m langes Leck in die rechte Seite riss und dabei fünf der Luftkammern beschädigte. Wo waren nun Sicherheit und Friede? Das riesige Schiff füllte sich mit Wasser und bekam Schlagseite. Besatzung und Passagiere hatten sich in falscher Sicherheit gewiegt.

Die Titanic funkte pausenlos SOS-Rufe, aber sie verklangen ungehört. Selbst auf der California, einem riesigen Dampfer, der nur 30 km entfernt war, hörte niemand die entsetzten Hilferufe, denn die Funkstation des Schiffes war nicht besetzt, der Funker war nicht auf Empfang. Hätte man das verzweifelte Rufen gehört, wären alle Passagiere des beschädigten Schiffes gerettet worden. Aber ihr Ruf stieß auf taube Ohren.

Da die Titanic nicht genug Rettungsboote an Bord hatte, wurden zuerst so viele Frauen und Kinder umgeladen wie nur möglich.

In dieser Nacht, dem 15. April 1912 um 2:20 Uhr fanden 1513 Menschen inklusive Kapitän und Mannschaft auf tragische Weise ihr eisiges Grab mit dem Schiff im Nordatlantik.

Was geschah mit den 700 Menschen in den Rettungsbooten? Noch viele weitere hätten ihr Leben in dieser eisigen Nacht verloren, wäre nicht zwanzig Minuten, nachdem die Titanic gesunken war, der Dampfer Carpathia eingetroffen. Alle Menschen, die sich in den Rettungsbooten befanden, wurden gerettet.

Der Kapitän und die Mannschaft hätten den Hinweis, lieber die südliche Route zu wählen, sicher nicht auf die leichte Schulter genommen, wenn sie sich nicht in falscher Sicherheit gewiegt hätten – in dem Gefühl, das Schiff sei unsinkbar.

Falsche geistliche Sicherheit

Kann es sein, dass wir uns auch in falscher Sicherheit wähnen – geistlich? Wie wirkt es sich auf das geistliche Leben aus, wenn man glaubt: »Einmal gerettet, immer gerettet!«? Geht es uns wie den Passagieren der Titanic? Gehen wir, ohne die nahende Gefahr zu erahnen, als getäuschte »Christen« unserm Alltag und unsern Vergnügungen nach und meinen: »Ich bin gerettet!«? Wähnen wir uns in unserm Gefühl, gerettet zu sein, nicht ebenso sicher wie auf einem »unsinkbaren Schiff«?

Ellen White schreibt: »Ich habe mit Trauer die Qual Tausender Seelen gesehen, die gedankenlos und gleichgültig ihr Leben führten ... Sie halten es für wichtiger, Schätze auf Erden zu sammeln, anstatt die Wahrheit zu erforschen. Sie leben in Frieden, aber es ist nicht der Friede, den Jesus seinen Nachfolgern hinterlassen hat, sondern der Friede der Selbsttäuschung und Selbstzufriedenheit, der Tod bedeutet.« (Review and Herald, 13. Januar 1885)

So wie an diesem verhängnisvollen Apriltag Selbstbetrug und falsche Sicherheit 1513 Menschen in den Tod rissen, so werden in unsern Tagen Tausende Menschen durch falschen geistlichen Frieden den Tod finden.

Echter Friede

Aber, dem HERRN sei Dank, es gibt noch echten Frieden. Alle, die nach der Wahrheit suchen, können den Frieden finden, den Jesus schenkt. Ihn kann man erhalten, wenn man sich Gott ganz hingibt, seine Gebote befolgt und bis zum Ziel unbeirrbar durchhält. Unser Erlöser sagt: »Wer bis zuletzt durchhält, der wird gerettet.« (Matthäus 10,22 Hoffnung für alle) Der Psalmist beschreibt den großen Seelenfrieden so: »Wer dein Gesetz liebhat, lebt in Frieden und wird niemals scheitern.« (Psalm 119,165 Hoffnung für alle)

Ellen White schreibt: »Nur wenn das Herz lernt, wie man sich Gott hingibt, wird es Frieden finden.« (Signs of the Times, 20. Juli 1882) Dem Überwinder verheißt sie: »Groß wird sein Friede und seine Freude, denn es ist Gott, der sie schenkt.« (Ellen G. White 1888 Materials, 227) Das ist der Friede, den Jesus seinen treuen Nachfolgern versprochen hat.

Falscher Friede

Andererseits erdreistet sich Satan, allen »Frieden« und »Sicherheit« anzubieten, die in ihren Sünden bleiben wollen. Trotz ihres Ungehorsams versichert er ihnen: Ihr seid gerettet! Sein »Friede« hat jedoch nichts mit der Sicherheit zu tun, die uns Jesu Kreuz bietet. Dieses Kreuz steht sowohl für Jesu Treue und seinen Gehorsam bis zum Tod als auch für unser Kreuz. Jesus sagt: »Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach!« (Markus 8,34)

Ellen White berichtet über die Juden zur Zeit Jesu: »Verstockt, selbstsicher und selbstgerecht verschlossen sie die Tür zum Frieden und zu ihrer einzigen Hoffnung, weil sie Gottes Weg nicht gehen wollten. Sie weigerten sich, Willen und Herz dem Licht der Wahrheit unterzuordnen.
Wir brauchen aber heute keine Menschen, die wie die Völker zu alten Zeiten glauben, dass Sicherheit, Frieden, Wohlstand und Glück auch ohne das Kreuz zu finden seien. Solche Menschen finden nämlich nur den trügerischen ›Frieden‹ Satans, nicht aber den Frieden, der alles übersteigt – der Friede, den uns Jesus versprochen hat.« (Ellen G. White 1888 Materials, 931)

Unzählige freuen sich darüber, dass Jesus am Kreuz für sie gestorben ist; doch sie selbst wollen ihr Kreuz nicht tragen, ihr Ich und ihre Sünden nicht sterben lassen, um heilig zu werden. Sie schieben das Kreuz der Wahrheit zur Seite und glauben, mitsamt ihren Sünden gerettet zu sein. Dass Heiligung ein Teil des Erlösungsplans ist, verstehen sie nicht. Sie meinen, sie müssten nur glauben. In dieser falschen Lehre gefangen, suchen sie Zuflucht in einem sogenannten »Frieden«. Aber ist das nicht ein Friede, der dem auf der Titanic gleicht? Paulus beschreibt ihren Zustand so: »Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.« (2. Thessalonicher 2,11.12)

Viele erkennen zu spät, dass »glauben« auch bedeutet, zu glauben, dass Heiligung und Rettung zusammengehören. Es scheint, als würden sie ignorieren, was Paulus schreibt: »Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an erwählt hat zur Rettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit.« (2. Thessalonicher 2,13 Elberfelder)

»Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.« (Römer 5,10 Elberfelder)

Der Heilige Geist unterstreicht durch Ellen White diesen Vers, indem er seine Bedeutung ganz klar macht: »Durch seinen Tod werden wir mit Gott versöhnt; durch sein Leben, wenn es in unserm Leben sichtbar wird, werden wir gerettet.« (Signs of the Time, 17. Juli 1903)

Ellen White betont, wie wichtig Heiligung ist: »Menschen werden von irgend einer der vielfältigen Irrtümer oder Versuchungen weggerissen und verlieren ihr Leben, wenn sie die Wahrheit im Leben nicht umsetzen und sich durch die Wahrheit nicht heiligen lassen, damit sie ihre Hoffnung auf sanftmütige und gottgefällige Weise begründen können.« (Ellen G. White 1888 Materials, 39)

Wenn Menschen nicht durch die Wahrheit geheiligt sind, werden sie von den Wellen des Unglaubens erbarmungslos mitgerissen und wie die Titanic untergehen.

Unsere Aufgabe

Wer die Wahrheit und Satans tödlichen Plan kennt, dürfte eigentlich gar nicht anders können, als andere zu warnen. Warum sollten wir mit der reinen Wahrheit über die Heiligung zurückhalten. Wollen wir den »Status quo« der Welt nicht stören? Verschweigen wir sie jedoch, werden wir selbst die Wahrheit vergessen. Das hat die gleichen fatalen Folgen, wie der »Titanic-Frieden«: Wir verlieren den echten Frieden und unser Leben.

»Wer auch immer versucht, Frieden zu bewahren, indem er etwas verschweigt und die Wahrheit nicht verteidigt – die aktuelle Wahrheit unserer Zeit –, der fällt in einen Frieden, der im Todesschlaf endet.« (Ellen G. White 1888 Materials, 930)

Wir wollen die aktuelle Wahrheit verkünden und nichts zurückhalten, was für die Erlösung wichtig ist, weil wir daran glauben, dass »die Wahrheit einen Trost und einen Frieden vermittelt, den die Lüge nicht geben kann.« (The Desire of Ages, 671)

In der Endzeit werden treue Diener Gottes sein Werk auf der Erde beenden: »Wenn Gott den Menschen seinen Geist gibt, werden sie arbeiten. Sie werden das Wort des HERRN verkünden und ihre Stimmen werden wie Posaunen schallen. Die Wahrheit wird in ihren Händen nicht weniger oder gar kraftloser. Sie werden den Leuten ihre Übertretungen bewusst machen und dem Haus Jakob seine Sünden.« (Ellen G. White 1888 Materials, 1647)

Auch eine andere wertvolle Aussage versichert uns: »Solange Gott eine Gemeinde hat, hat er auch Menschen, die reden und nicht schweigen ... Ich sah Persönlichkeiten ... die sanfte Worte sprechen wollten, dann aber doch die Wahrheit herausposaunten ... Prediger sollten mutig die Wahrheit so verkünden, wie wir sie in Gottes Wort finden. Lasst die Wahrheit schneiden! ... Die Wahrheit will klar ausgesprochen werden. Macht deutlich, wie notwendig eine Entscheidung ist. Während die falschen Hirten »Frieden« verkünden und angenehme Dinge predigen, haben die Diener Gottes die Wahrheit laut hinauszurufen – schonungslos. Die Folgen gilt es, Gott zu überlassen.« (Spiritual Gifts 2, 284-285)

Wollten wir doch zu den Männern und Frauen gehören, die ihre Stimmen wie Posaunen schallen lassen und rufen: »Wacht auf! Kehrt um! Wacht und betet! Das Unheil kommt!«

Wähle den sicheren Weg!

Auch wenn es Menschen gibt, die meinen, sie könnten die gefährlichsten Gewässer sicher überqueren, es ist lebensgefährlich, sich in der Sicherheit einer »geistlichen Titanic« zu wiegen. Wenn das Unheil hereinbricht, dann schauen diese Selbstgetäuschten dem Tod ins Gesicht und merken: Ich bin nicht vorbereitet auf Jesu Kommen. Sie werden untergehen mit dem Schiff – sie sind verloren!

Hat unsere »geistliche Titanic« offene Ohren? Wenn wir jetzt aufwachen, sind wir nicht ohne Kenntnis der Gefahr wie die Passagiere auf dem Eismeer in jener Schicksalsnacht. Wir wollen uns fest an die Wahrheit und den Frieden klammern, die Jesus seinen Nachfolgern verheißt. Laufen wir mit Jesus als Kapitän und Lotse in den himmlischen Hafen ein; im Triumph – für immer erlöst!

Zuerst im Deutschen erschienen in Unser festes Fundament, 3-1997

Aus Our Firm Foundation Juli 1996

 


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