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    Quo vadimus? Thema Homosexualität

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Montag, 27 Juli 2015 – 15:02 Uhr

Antwort eines Adventisten auf die jüngste päpstliche Enzyklika: Gott sei Dank für die Prophetie!

Gott sei Dank für die Prophetie!

Bild: Adventist Review

Papst Franziskus schreibt Geschichte, Prophetiegeschichte. Von Scott Christiansen, Leiter der Abteilung für Kommunikation der Nord-Neuengland-Vereinigung

Am 24. Mai 2015 hat Papst Franziskus seine zweite Enzyklika, »Laudato Si« (»Gelobt seist du«), veröffentlicht. Sie wurde von den Medien mit großem Interesse aufgenommen und ist ein erstaunliches Dokument – erstaunlich im Blick auf ihre Reichweite, ihre Vision, ihre Details und ihre Außergewöhnlichkeit. Besonders erstaunlich aber ist ihre prophetische Bedeutung.

Schauen wir uns zuerst einige Elemente der Enzyklika an, die besonders gepriesen werden.

Papst Franziskus entwickelt keine geringe Vision – seine revolutionäre Enzyklika wendet sich an »jeden Menschen …, der auf diesem Planeten wohnt« (Abs. 3). Der Papst und seine Berater fordern gravierende Änderungen auf fast allen Gebieten menschlichen Tuns. Die Art, wie unsere globale, komplexe Gesellschaft mit Industrie, Finanzen und Ressourcen umgehe, so die Enzyklika, spiegele unseren Egoismus und unsere Unersättlichkeit wider. Dieser Aussage verleiht Papst noch Nachdruck, indem er sagt, der Egoismus, die Unersättlichkeit und die daraus resultierende immense (und wachsende) globale Kluft zwischen Arm und Reich ließen die Armen stark und unverhältnismäßig leiden – und dies sei unmoralisch. Weiter sagt der Papst, von dieser Unersättlichkeit und diesem Egoismus seien unsere industrielle Produktion und unser gesellschaftlicher Konsum getrieben. Daraus würden sich weltweit immer gravierendere Umweltprobleme entwickeln. Als Folge davon seien die Armen der Welt, die ja am meisten gefährdet sind, viel kränker, müssten stark verteuerte Nahrungsmittel kaufen, mit weniger Wasser auskommen und hätten alle möglichen Probleme. Auf diesem Hintergrund entwickelt Papst Franziskus seine Vision von einer radikal veränderten Welt, in der wir nicht mehr peinliche Mengen von Rohstoffen aufzehren, sondern in der soziale Gerechtigkeit und eine gerechte Güterverteilung herrschen, die Umweltverschmutzung dramatisch sinkt und alle diese Änderungen von einer überdachten Politik und einer Moral veranlasst werden, bei der Gott im Mittelpunkt steht.

Mit einem Großteil der Diagnose, die der Papst stellt, bin ich einverstanden. Als  Landesdirektor von ADRA (der adventistischen Katastrophen und Entwicklungshilfe/Adventist Development and Relief Agency) habe ich das Leid der Armen und Benachteiligten in den Entwicklungsländern selbst erlebt. Ich weiß, dass die allgegenwärtige Sünde der Unersättlichkeit und des Egoismus tatsächlich die Wurzel des Leides von Milliarden Menschen auf dieser Welt darstellt. Aus meiner Zeit bei ADRA und aus meinen Studien- und Forschungsjahren weiß ich auch, dass der Papst schon Recht hat, wenn er die Sünde mit unseren globalen Industrie- und Produktionsstrukturen verknüpft und zeigt, was sie mit der Umweltzerstörung sowie dem Leid der Menschen zu tun haben. Auf dieselben Zusammenhänge gehe ich auch in meinem Buch Planet In Distress (Planet in Not) ein, erschienen 2012 beim Verlag Review and Herald.

Ich stimme der Analyse des Papstes zu und finde es gut, dass er nicht nur kritisiert. Aber ich staune doch sehr über die von ihm vorgeschlagenen Lösungen. In dem edlen und biblischen Verlangen, den Armen und Unterdrückten zu dienen und sie zu trösten, möchte der Papst die Welt ohne ersichtlichen Bezug zum wichtigsten Thema der Heiligen Schrift in Ordnung bringen. Denn er sagt nichts über Jesu persönliche, sichtbare, körperliche und rettende Wiederkunft, die Sünde und Satan vernichten und sein vollkommenes Reich aufrichten wird. Durch die Jahre, in denen ich Ökologie studiert habe und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft, verstehe ich die Sorgen des Papstes. Doch es fällt mir schwer, sein Denken mit dem in Einklang zu bringen, was er ganz sicher wissen müsste. Leider übersieht er, wo wir uns nach Aussagen der Prophetie in der Menschheitsgeschichte befinden. Die Bibel spricht deutlich davon, dass die Natur auf dieser Welt in der Endzeit spektakuläre Zerstörung erleben wird: »Die Erde wird wie ein Kleid zerfallen.« (Jesaja 51,6) Dieses Bild von einem fadenscheinigen Lumpen beschreibt treffend, was mit Gottes Welt geschieht und mit den von ihm geschaffenen Lebensfäden. Jesu Beschreibung der Endzeit in Matthäus 24 (und die Parallelstellen in Markus 13 und Lukas 21) zeichnet schon das Bild einer gestörten Natur, bevor die letzten sieben Plagen fallen. Diese treffen vor allem jene, die Gottes Liebe zurückweisen und sich stattdessen für ein böses Leben entscheiden. Offenbarung 11,18 spricht von Gottes Zorn über die, »welche die Erde verderben«. Dass die Prophetie von Gottes Zorn über die Zerstörer spricht, weist sowohl auf ihre Verantwortung für ihr böses Tun hin als auch auf Gottes Urteil darüber.

Da die Sünde sowohl die Menschen als auch die Welt selbst zerstört, erkennen alle, die die Heilige Schrift studieren: Die schnelle und immer schneller werdende Umweltzerstörung auf dieser Erde lässt dem Menschen nur noch wenig Zeit. Papst Franziskus mag auf Matthäus 25 hinweisen in seiner Sorge um die Unterdrückten auf dieser Welt, doch er übersieht die Zielrichtung aller Lehren Jesu in Matthäus 24,1–25,46, wenn er verschweigt, dass die Zeit dieser Erde abläuft. Gerade heute sollten Gottes Diener alle Kraft und alle Mittel einsetzen, um Jesu Rettung zu verkündigen sowie sein baldiges Kommen, das zu einem neuen Himmel und einer neue Erde führen wird, »in denen Gerechtigkeit wohnt« (2. Petrus 3,13). Die Grundfrage muss lauten: Ist der neue Gesellschaftsentwurf, den der Papst lanciert, und ist sein Rezept für eine Weltregierung das, was auch die Bibel heute verlangt?

Der Welt scheinen diese Fragen gleichgültig zu sein. Das starke weltweite Echo auf die Enzyklika beweist, dass die Welt verwundert dem Papst nachsieht. Er hat einen gewaltigen Einfluss und ist unglaublich beliebt. Aber er ist wohl noch nicht auf dem Gipfel seiner Popularität angekommen. Da die Natur dieses Planeten durch die Sünde immer schneller und gravierender aus den Fugen gerät, hat der Papst nicht nur die Zukunft vorausgesagt, sondern auch eine Lösung verschrieben – einen neuen Gesellschaftsentwurf, der auf einer radikalen Moral fußt.

Es fällt gleich auf, dass sein Rezept weder von nationalen Regierungen noch von den Vereinten Nationen umgesetzt werden kann – es sei denn, man befolgt seine inspirierten Richtlinien zur Entwicklung der Menschheit, die aus seiner christlichen Tradition stammen (Abs. 15) Die Enzyklika des Papstes empfiehlt nicht weniger als einen geistlichen und technischen Ansatz, um die Welt und ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Trotz seines politischen, sozialen, technologischen und ökonomischen Kommentars, bleiben sein Eifer und sein Feuer für seine geistliche Lösung nicht verborgen. Wenn sich die Situation rasch verschlimmert, werden auf der ganzen Welt immer mehr Rufe nach Änderung laut werden. Papst Franziskus hat jedenfalls schon redegewandt und vernünftig, wenn auch etwas geheimnisvoll, den Weg gewiesen, den die Welt in seinen Augen einschlagen sollte.

Zu diesem geistlichen Weg gehören die Sakramente, »eine bevorzugte Weise, in der die Natur von Gott angenommen wird und sich in Vermittlung des übernatürlichen Lebens verwandelt« (Abs. 235). Vor allem die Eucharistie ist »eine Quelle des Lichts und der Motivation für unsere Sorgen um die Umwelt und richtet uns darauf aus, Hüter der gesamten Schöpfung zu sein« (Abs. 236). Die Teilnahme an der Eucharistie am Sonntag hat »eine besondere Bedeutung« (Abs. 237). Ja die Sonntagsfeier selbst kann uns bewahren »vor der zügellosen Unersättlichkeit und dem abgeschotteten Bewusstsein, das dazu führt, nur den eigenen Vorteil zu verfolgen« (ebd.).

Wer die Prophetie studiert, der weißt, dass die Enzyklika des Papstes zu einem interessanten Zeitpunkt veröffentlicht wurde. Gerade heute lassen die Folgen der Sünde die Voraussagen Jesu von Kriegen, Hungersnöten, Erdbeben usw., also vom »Anfang der Wehen« besonders lebendig erscheinen (Matthäus 24,6-8; und 1). Die Welt leidet nicht unter zu wenig Kontrolle. »Die Sünde des Menschen ist der Grund dafür, dass ›die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt‹« (Ellen White, Patriarchs and Prophets, 443). In einfachen Worten: Kein Managementplan, auch kein geistlicher, kann die Folgen der Sünde umkehren.

Die offensichtlich immer schneller werdende Zerstörung der Erde und ihrer ökologischen Systeme wird durch eine Fülle von Beobachtungen und wissenschaftlichen Studien deutlich. Jeden Tag sind die Nachrichten voll von Berichten über solche Studien, die von einer Verdreifachung der Naturkatastrophen in den letzten 35 Jahren sprechen.2 Die Prophetie warnt davor, dass die dramatische Zunahme solcher Katastrophen den Ruf nach einem Sonntagsgesetz lauter werden lässt:

»Männer in verantwortlichen Positionen werden nicht nur selbst den Sabbat ignorieren und missachten, sondern vom heiligen Pult die Menschen dazu drängen, den ersten Wochentag zu beachten … Sie werden auf die Katastrophen zu Land und zu Wasser hinweisen – als Gerichte, die Gottes Missfallen zum Ausdruck bringen, weil der Sonntag nicht feierlich gehalten wird. Diese Katastrophen werden immer weiter zunehmen, eine wird der anderen auf den Fersen folgen und jene, die Gottes Gesetz ungültig machen, werden auf die Wenigen deuten, die den Sabbat des siebten Tags halten, und behaupten, das ihretwegen der Zorn über die Welt komme.« (Ellen White, The Southern Watchman, 28. Juni 1904)

Die Häufigkeit der Katastrophen hat noch nicht den Punkt erreicht, wo die Welt sie bewertet wie oben beschrieben. Die Prophetie deutet an, dass dies bald der Fall sein wird. Die jüngste Enzyklika mit ihrer Verherrlichung der Sakramente, der Eucharistie, der Göttlichkeit Marias und der Heiligkeit der Sonntagsruhe bringt päpstliche Argumente, die der Heiligen Schrift und Gott völlig widersprechen. Richtet sich Papst Franziskus an jeden Menschen auf dem Planeten, wenn er für die Heilung der Erde kämpft, dann müssten Sonntagsruhe und -anbetung einschließlich des Verzehrs von Jesu Leib am Sonntag auf der ganzen Welt umgesetzt werden. Wir sehen in seinen Aussagen vielleicht noch nichts über eine Bestrafung jener, die Gottes Gebot halten, doch das Licht der Prophetie scheint schon sehr hell auf die Zeit, in der wir leben und die uns unmittelbar bevor steht. Am Ende werden die Sabbathalter für die epischen Katastrophen verantwortlich gemacht, weil sie stur darauf beharren, Gottes Gesetz zu halten.

Mit oder ohne diesen Brief des Franziskus an seine Bischöfe und die Welt, sind die Zeichen, dass unser Herr sehr bald kommt, überall um uns her zu sehen. Wir brauchen nur unsere Herzen und die Finsternis der Welt von der Lampe der Prophetie erleuchten zu lassen. Mit oder ohne die Enzyklika ist unsere Aufgabe klar: Jesu Liebesdienst und sein Mitgefühl für alle dürfen wir weitertragen, vor allem zu den geringsten seiner Brüder. Wir dürfen die Nähe seines Kommens mit Leidenschaft verkündigen und das Heil, das er verkörpert und allen bringt, die sein Erscheinen lieb haben (2. Timotheus 4,8). Vielleicht dient die Enzyklika einigen Adventisten als Weckruf, als noch ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Prophezeiungen heute erfüllen – in Echtzeit.

Der Papst hat eine umfassende und einzigartige Vision von der Zukunft dieser Welt. Adventisten haben eine umfassende, einzigartige und prophetisch verordnete Vision. Wir verstehen den Kampf zwischen Jesus und Satan, und die Prophetie formuliert, was unsere Rolle in diesem Kampf ist: »Sagt es der ganzen Welt!« Das ist unser Auftrag, und dann wird das Ende kommen. Die Katastrophen warnen uns, während der Teufel sie für seine bösen Ziele nutzt. Es ist unser prophetisches Vorrecht, an der größten Verkündigung der Weltgeschichte teilzuhaben. Dies geschieht durch Worten, mit denen wir die Wahrheit des Evangeliums bezeugen, und durch ein Leben, das der Person unseres Retters treu ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben! Machen wir uns also auf und werden licht; denn das Licht der Prophetie ist gekommen in unsere Herzen und scheint auf unseren ganzen Weg. Die Zeit ist kurz. Bringen wir vollen Einsatz für eine verlorene Menschheit und für den Herrn.

»Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht.« (2. Petrus 1,19 Luther 84) Gott sei Dank für das Licht der Prophetie!

Zitate:

  1. Siehe Planet In Distress blog. Dort finden sich zahlreiche Artikelverweise zum Thema. www.planetindistress.com
  2. Siehe EMDAT Grafik (www.emdat.be/natural-disasters-trends), zuletzt aktualisiert in 2011. Oder in Suchmaschine »Munich Re natural disasters graph 2014« eingeben, um eine andere aktuellere Perspektive zu bekommen. Bezeichnenderweise geht diese Vervielfachung der Katastrophen statistisch gesehen nicht einher mit einer entsprechenden Zunahme der Todesfälle. Kritiker, die darin die Bedeutung dieser Daten entkräftet sehen, tun gut daran, darin einen Hinweis auf einen liebenden Gott zu erkennen, der »nicht will, dass jemand verloren gehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe« (2. Petrus 3,9).
  3. Enzyklika auf Deutsch:
 http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html
    Enzyklika auf Englisch: 
http:/w2.vatican.va/content/francesco/en/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion aus:
www.adventistreview.org/praising-god-for-prophecy-one-adventists-response-to-the-recent-papal-encyclical


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