Mittwoch, 11 Mai 2016 – 08:30 Uhr

Warum so wenige an die Sintflut glauben: Kein Flutmodell

Kein Flutmodell

Foto: victor zastol'skiy - Adobe Stock

Zwei falsche Grundannahmen, die stolpern lassen. Von Clifford Goldstein

Kürzlich hatte ich einen bewegten E-Mail-Austausch mit einem erklärten Adventisten (einem Prediger!), der sich öffentlich über die Sintflut belustigt hatte. Sein Argument war im Wesentlichen, es könne mit wissenschaftlicher Logik »kein Flutmodell« aufgestellt werden. Deshalb könne es auch keine Sintflut gegeben haben.

Er ist nicht alleine. An eine weltweite Flut glauben wer weiß wie viele Christen, vielleicht Millionen, schon länger nicht mehr! Der Grund: Die Wissenschaft (als selbsternannte Gebieterin der Wahrheit) sagt, es gebe dafür keine Beweise. Ende der Diskussion.

Dies ist aber nicht das erste Mal, dass die Weisen der Welt die Sintflut für unmöglich halten. In Patriarchs and Prophets spricht Ellen White darüber, dass vor der Flut »angesehene Männer – die Weisen, die klugen Köpfe« (Seite 97) argumentiert hätten, die Naturgesetze seien unveränderlich, gleichbleibend und zuverlässig. Daher könne nichts Außergewöhnliches passieren. »Die vorsintflutliche Welt argumentierte, die Naturgesetze seien seit Jahrhunderten unverändert. Die wiederkehrenden Jahreszeiten hätten sich immer in derselben Reihenfolge abgelöst. Bisher habe es noch nie geregnet; die Erde würde durch Nebel oder Tau gewässert. Die Flüsse hätten nie ihr Bett verlassen, sondern ihr Wasser gefahrlos zum Meer geführt. Unveränderliche Gesetze hinderten das Wasser daran, über die Ufer zu treten.« (ibid., 96)

Vor der Flut existierte kein »Flutmodell«; daher würde es auch keine Flut geben. Seit der Flut existiert kein »Flutmodell«; daher hat es auch keine Flut gegeben.

Einfacher kann es gar nicht sein!

Die Intellektuellen vor der Flut irrten, weil sie meinten: Was zu ihrer Zeit war – der damalige physikalische Zustand der Welt –, würde auch in Zukunft bestehen bleiben. Die Intellektuellen nach der Sintflut irren, weil sie meinen: Was heute ist – der aktuelle physikalische Zustand der Welt –, entspräche dem, was in der Vergangenheit war. In beiden Fällen war und bleibt die Annahme der Kontinuität falsch.

Es existiert kein Flutmodell, weil so ein Modell nicht existieren kann. Wie könnte die Wissenschaft, die auf zwei Grundannahmen beruht – der Kontinuität (die Gegenwart entspricht der Vergangenheit) und der Ablehnung des Übernatürlichen – wie könnte diese Wissenschaft ein Modell für ein übernatürliches Ereignis aufgrund einer Vergangenheit aufstellen, die sich von der Gegenwart unterschied?

Wenn man den Sintflutbericht der Heiligen Schrift für bare Münze nimmt, glaubt man an ein in der Geschichte einmaliges, übernatürliches Ereignis katastrophischen Ausmaßes. Zahlreiche lokale Überschwemmungen haben in relativ begrenzten Gegenden Unheil angerichtet, aber gegen die Sintflut waren dies Pfützen im Vergleich zum Ozean. Nur ein uns unbekanntes Potenzial und Phänomen konnte der Erde das zufügen, wovon die Heilige Schrift sagt, Gott habe es durch die Sintflut getan.

»Und die Wasser wurden so gewaltig und nahmen so sehr zu auf der Erde, dass die Arche auf den Wassern dahinfuhr. Ja, die Wasser nahmen so sehr überhand auf der Erde, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden; die Wasser stiegen noch 15 Ellen höher, nachdem die Berge schon bedeckt waren. Da ging alles Fleisch zugrunde, das sich regte auf der Erde: Vögel, Vieh und wilde Tiere und alles, was wimmelte auf der Erde, samt allen Menschen; und es starb alles, was Lebensodem hatte auf dem trockenen Land. Er vertilgte alles Bestehende auf dem Erdboden, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gewürm und zu den Vögeln des Himmels — alles wurde von der Erde vertilgt; nur Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war.« (1. Mose 7,18-23)

Nichts in der Menschheitsgeschichte oder -erfahrung kam auch nur annähernd an dieses Ereignis heran. Unsere besten Annahmen, auch die wissenschaftlichen, sind einfach nur das: Annahmen. Die Theologen sehen in der Sintflut, Gottes Gericht über die Erde, die Zerstörung der alten Schöpfung, den Rückfall der Welt in ihren Urzustand des tohu wa bohu (»wüst und leer«) aus 1. Mose 1,2, bevor eine weitere, stark veränderte Daseinsform entstand.

Wie können da Wissenschaftler, die nach den zwei Grundannahmen arbeiten – dem ontologischen Naturalismus (der die Existenz alles Übernatürlichen bestreitet) und der Ähnlichkeit zwischen Vergangenheit und Zukunft –, ein übernatürliches Ereignis richtig verstehen, das in der Vergangenheit geschah, die so radikal anders war als die Gegenwart?

Es geht nicht.

Daher überrascht es auch nicht, dass viele Wissenschaftler nicht an eine weltweite Flut glauben. Durch ihre Grundannahmen bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Was jedoch überrascht, ist, dass auch viele Christen wegen dieser Wissenschaft nicht an die Sintflut glauben, obwohl doch die Heilige Schrift so nüchtern davon berichtet.

Andererseits ist selbst dies nicht so überraschend. Ellen White schrieb über einige der vorsintflutlichen Leugner: »Nicht alle Menschen jener Generation waren Götzendiener im wahrsten Sinne des Wortes. Viele waren erklärte Gottesanbeter. Sie behaupteten ihre Götzen seien Symbolisierungen der Gottheit. Man könnte durch sie das göttliche Wesen besser begreifen. Diese Menschen waren die führenden Gegner der Verkündigung Noahs.« (Patriarchs and Prophets, 95-96)

Diese bekennenden Gläubigen widersprachen Noahs Geschichte besonders. Genauso gehören bekennende Christen (auch Adventisten) zu den lautstärksten Gegnern derselben Geschichte. Bekennende Anhänger Gottes vor der Flut bestritten, dass sie kommen würde; bekennende Anhänger Gottes nach der Flut bestreiten, dass sie kam.

Erstaunlich!

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Adventist Review übersetzt aus www.adventistreview.org/cliffs-edge-no-flood-model


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